WhatsApp – Entscheidungshilfe zur Installation – Teil 2

logo-color-symbolDies ist der zweite Teil eines Artikels, indem ich zu einer Entscheidung kommen möchte, ob WhatsApp auf mein Handy gehört oder nicht. Erinnerst Du Dich noch? Ich bin von Anfang an Verweigerer von WhatsApp. Inzwischen drängt mein Sohn, Teile der Familie und Freunde, ich möge doch nun endlich auch zu WhatsApp kommen. So einfach möchte ich aber meine Prinzipien nicht über Bord werfen und habe mir einfach überlegt, ich liste Argumente auf, die für WhatsApp sprechen, und solche, die das Gegenteil tun. Jedes Argument habe ich dann für mich bewertet mit einer Wertung von „0“ (=unwichtig) bis „10“ (=sehr wichtig).

Im ersten Teil dieses Artikels habe ich insgesamt 7 Argumente gegen WhatsApp gefunden und kam bei subjektiver Gewichtung auf 26 Punkte Kontra WhatsApp. Heute möchte ich Argumente für die Nutzung von WhatsApp suchen und bewerten. Ich bin gespannt, wie das Ergebnis lauten wird.

Warum ich für WhatsApp sein könnte

Kinder in der digitalen Welt begleiten

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Wie ich schon geschrieben habe, ist mein Sohn bei WhatsApp und wenn meine Tochter in das Handyfähige Alter kommt, wird es sicherlich nicht lange dauern, bis auch sie WhatsApp ausprobieren möchte. Ich kenne Kinder, die schon in der Grundschule ein eigenes Handy besitzen und natürlich nutzen. Ich behaupte, dass die meisten Eltern dieser Kinder keine ausreichende Medienkompetenz besitzen um sich wirklich ausreichend mit dem Thema Handynutzung für Kinder, insbesondere WhatsApp auseinanderzusetzen. Den Eltern, die bereit sind, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen, soll dieser zweiteilige Artikel eine Hilfestellung bieten. Eltern, die sich tiefer in das Thema einlesen möchten, habe ich schon im ersten Teil die Bücher Kinder sicher im Netz: Das Elternbuch (mitp Anwendungen)* und Das Android Smartphone-Buch*
empfohlen.

Ich finde, ich muss nicht alles mitmachen, was für meine Kinder gerade „hipp“ ist. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass ich einen wesentlich besseren Zugang zu Kindern bekomme, wenn ich wirklich verstehe, wovon sie reden. Das war auch der Grund, warum ich mich vor Jahren bei Facebook und Twitter angemeldet habe. Nebenbei hilft es mir, potentielle Gefahren zu erkennen. Vor wenigen Tagen erst verunsicherte eine Todesdrohung per WhatsApp viele Kinder und Jugendliche (nachzulesen bei heise.de). Die Schulen haben die Kinder informiert und mit ihnen über diesen Kettenbrief gesprochen. Aber mal ehrlich, ist das nicht primär Aufgabe der Eltern? Ohne mich selbst loben zu wollen, aber ich konnte meinen Sohn warnen, noch bevor dies außerhalb des Elternhauses geschehen ist. Diese elterliche Pflicht wahrzunehmen bedeutet aber permanente Beschäftigung mit allen neuen Medien, und bringt mich zu einer Gewichtung von

10 Punkten Pro WhatsApp wegen

notwendiger Begleitung meiner Kinder in der digitalen Welt.

WhatsApp – ein Technikspielzeug

Wahrscheinlich werden diese Absätze viele Frauen zum Kopfschütteln bewegen. Männer halt. Aber ich gebe zu, ich bin ein Stück weit technikverliebt und, bei allen Gefahren, die ich erkenne, auch fasziniert von den Möglichkeiten, die die heutige Informationstechnik uns bietet.

Rückblende: Wir schreiben das Jahr 1995. Über einen Freund bei der Bertelsmann AG hatte ich eine der ersten CDs mit der Zugangssoftware von AOL Europe, einem Onlinedienst bekommen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich gemeinsam mit einem Freund abends die Software installiert habe und wir unseren ersten Chat gestartet hatten. Unglaublich, wir waren live mit irgendwelchen Nutzer in Amerika verbunden und haben uns zeitgleich über tausende Kilometer unterhalten können. Es wurde eine sehr lange Nacht, und einige Amerikanische Kontakte pflege ich noch heute (nicht mehr per AOL).

Diese Rückblende zeigt, wie sehr und wie lange mich die Informationstechnik schon begeistert. Auch heute nutze ich natürlich Dienste wie E-Mail, Skype, Teamspeak, ICQ, Facebook usw. Gerade Facebook ist eine Plattform, die mir schon gut gefällt und die ich zur Kommunikation auch gerne benutze, die aber auch erhebliche Nachteile beinhaltet (Datenschutz etc.). Deshalb vergibt das Kind im Manne

3 Punkte Pro WhatsApp für

ein weiteres Technikspielzeug

WhatsApp – verbreiteter als andere Dienste?

Als Besitzer einer SMS Flat kann ich in alle deutschen Handynetze unbegrenzt SMS verschicken. Soweit sollte alles gut sein. Leider antworten mir nicht mehr alle angeschriebenen, weil diese mittlerweile häufig Tarife haben, die keine kostenlosen SMS bzw. nur eine begrenzte Zahl an Frei-SMS beinhalten. Längere Zeit konnte ich mit diesen fortschrittlichen Zeitgenossen über den Facebook Messenger kommunizieren. Aber wie Du vielleicht schon der Presse entnommen hast, ist auch der Facebook-Hype etwas rückläufig. Mein Empfinden ist, dass die Facebook Nachrichten nicht mehr so gerne und nicht mehr so schnell wie früher beantwortet werden. WhatsApp liegt halt gerade im Trend.

Ein weiterer Punkt ist der Datenverbrauch von WhatsApp und Facebook. Gerade im Mobilen Netz berichten einige meiner Schreibpartner davon, dass Facebook mehr Datenvolumen verbraucht, als WhatsApp. Deshalb haben sie die Hintergrundsynchronisierung ausgeschaltet und sind damit nicht mehr uneingeschränkt für mich erreichbar. Meine Beschwerden wegen dieser eingeschränkten Erreichbarkeit wurden mit “Dann mach Dir doch endlich WhatsApp drauf!” kommentiert. Gerade gestern hat übrigens meine Frau mit WhatsApp begonnen. Hallo? Meine Frau, die jetzt mehrere Jahre gar kein Handy hatte ist nun in punkto Technik moderner als ich? Was für eine Demütigung 😉 Nein, im Ernst, ich behaupte, der von mir eingeschlagene Weg, des systematischen Abwägens von Für und Wieder ist der Richtige. Bestätigt wurde ich am 03. Oktober durch die Ansprache unseres Bundespräsidenten Joachim Gauck bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart. Im zweiten Teil seiner Rede macht Herr Gauck sehr deutlich, dass wir uns in einem Epochenwechsel befinden. Die Tragweite der Veränderungen vergleicht er sogar mit denen der digitalen Revolution. Gleichzeitig zeigt der Bundespräsident aber auf, wie unbedarft viele Nutzer auch heute noch mit ihren digitalen Daten und der digitalen Welt umgehen. Wir richtig meine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema WhatsApp ist zeigt meines Erachtens das folgende Zitat aus seiner Rede:

Wie noch bei jeder Innovation gilt es auch jetzt, die Ängste nicht übermächtig werden zu lassen, sondern als aufgeklärte und ermächtigte Bürger zu handeln. So sollte der Datenschutz für den Erhalt der Privatsphäre so wichtig werden wie der Umweltschutz für den Erhalt der Lebensgrundlagen. Wir wollen und sollten die Vorteile der digitalen Welt nutzen, uns gegen ihre Nachteile aber bestmöglich schützen.

Zurück zu der Verbreitung von Whatsapp und meiner Möglichkeit, mit meinen Freunden so zu kommunizieren, wie es zeitgemäß ist. Ich habe wirklich das Gefühl, dass alle Anderen bei WhatsApp sind und bewerte deshalb wie folgt:

5 Punkte Pro WhatsApp wegen

einer gefühlten größeren Verbreitung von WhatsApp

WhatsApp – Nachricht günstiger als SMS

Wie ich oben schon geschrieben habe, habe ich eine SMS-Flat. Insofern sollte ich mir um den Preis eigentlich keine Gedanken machen. Interessant wird es aber, wenn entweder ich oder mein Kommunikationspartner im Ausland ist.

In meinem Sommerurlaub hatte ich dank meines Mobilfunkanbieters fast durchweg eine Internet-Flat, oder aber WLAN. WhatsApp hätte mich daher keinen Pfennig Cent gekostet, während ich pro SMS 29 ct bezahlen musste. Verständlicherweise habe ich mich bei dieser Art der Kommunikation stark zurück gehalten. Ok, ich gebe zu, geschadet hat es mir nicht und ich glaube vermisst habe ich auch nichts. Aber wenn ich an dieser Stelle versuche, aus subjektiver Sicht möglichst objektiv die Pros und Kontras zu beleuchten, dann gehört das einfach dazu.

Wesentlich entscheidender für mich war der Auslandsaufenthalt meines Sohnes vor einiger Zeit. Es ist sicherlich nachzuvollziehen, dass ich immer gerne informiert gewesen wäre, wie es ihm geht, was er gerade macht usw. Aus oben genannten Gründen beschränkte sich unsere Kommunikation aber nur auf wenige SMS und wenige Facebook Nachrichten. Ich bin mir sicher, dass mein Sohn froh war, dem elterlichen Kontrollwunsch so einfach zu entkommen und früher waren Auslandsaufenthalte der Kinder auch ohne tägliche Kommunikation möglich. Deshalb vergebe ich auch nicht die gefühlt berechtigten 5 Punkte, sonder nur

3 Punkte Pro WhatsApp wegen

für mich günstigster Kommunikationsmöglichkeit

Fotos, Medien und Sprache günstig mit WhatsApp versenden

Neben reinen Textnachrichten lassen sich über WhatsApp auch multimediale Inhalte schnell und kostenlos übertragen. Kostenlos meint hier wieder eine Übertragung über WLAN oder das mobile Datennetz, ohne die Traffic-Begrenzung zu überschreiten. Eine MMS (Multi Media Message) kostet in meinem Tarif ab 0,40 € aufwärts. Einzige alternative Übertragungsmöglichkeit ist für mich wieder Facebook, mit all den oben dargestellten Nachteilen oder die gute alte E-Mail die natürlich nicht zur zeitgleichen Kommunikation verwendet werden kann. Da Facebook für mich keinesfalls zu einem Anbieter gehört, dem ich z. B. private Bilder anvertrauen möchte, scheidet dieser Dienst aus. Mir ist nicht bekannt, dass WhatsApp Daten sammelt um ein Nutzerprofil zu erstellen und dieses zu Werbezwecken verwendet. Für die schnelle Übertragung von Multimedia würde ich deshalb tatsächlich WhatsApp bevorzugen und gewichte dieses mit

3 Punkten Pro WhatsApp wegen

günstiger Übertragungsmöglichkeit für multimediale Inhalte

Gruppen-Chat mit WhatsApp

WhatsApp ermöglicht es dem Nutzer, nicht nur mit einer Person zu Chatten sondern Unterhaltungen in einer Gruppe von bis zu 50 Personen zu führen. Während früher zu Mittag “Das Essen ist fertig!” durch das Haus schallte, könnte heute die Einladung zum gemeinschaftlichen Essenfassen über einen Gruppen-Chat erfolgen. Ich sehe bei Dir ein Kopfschütteln? Ok, dann lass mich ein etwas sinnvolleres Beispiel anführen 😉 Wir sind eine recht große Familie und eine Verabredung zu einem Familientreffen bedeutet heute das ein oder andere Telefonat bzw. SMS. Über ein Gruppen-Chat hätten wir die Möglichkeit die Terminfindung zu vereinfachen. Deshalb

3 Punkte Pro WhatsApp für

die Funktion Gruppen-Chat

WhatsApp ist frei von Werbung

Bei der täglich auf uns einströmenden Werbeflut tut es gut, einmal einen Dienst genießen zu können, der werbefrei ist. Hinzu kommt, dass die Werbefreiheit dafür spricht, dass keine Daten zur Erstellung eines Benutzerprofils gespeichert werden. Obwohl ich diese Werbefreiheit sehr gut finde und auch mit vielen guten Pro-Punkten bewerten möchte, muss ich mir gegenüber ehrlich bleiben und sagen, dass ich jetzt ja primär die SMS nutze und die ist natürlich werbefrei. Im Vergleich zu Facebook würde WhatsApp wesentlich mehr Punkte bekommen, so aber nur

0 Punkte Pro WhatsApp weil

es frei von Werbung ist

Einfache Anmeldung und Nutzung von WhatsApp

Die Anmeldung bei WhatsApp soll denkbar einfach sein. Herunterladen, installieren, loslegen. Kein umständliches anlegen von Benutzer, keine Eingabe von Telefonnummern. Über den von mir (im ersten Teil) kritisierten Abgleich des eigenen Telefonbuchs mit den Servern von WhatsApp Inc. bietet die Software sofort alle verfügbaren Freunde als potentielle Chat-Partner an. Diese Benutzerfreundlichkeit ist mit ein Grund für den großen Erfolg von WhatsApp und verdient auch von meiner Seite ein Kompliment. Aber auch hier, wie bei der Werbefreiheit, muss ich den Vergleich zur SMS ziehen und diese erfordert auch keinerlei Vorarbeit vom Nutzer. Einschalten, Nummer aus dem Telefonbuch suchen, schreiben und senden. Deshalb auch hier wieder

0 Punkte Pro WhatsApp für die

einfache Anmeldung und Nutzung

Das waren sie, die Argumente, die aus meiner Sicht für eine Nutzung von WhatsApp sprechen. Für die Übersichtlichkeit und damit Du nachrechnen kannst hier wieder die Tabelle mit den Pro-Argumenten inklusive Gewichtung.

Pro WhatsApp
Argument
Gewichtung
Begleitung meiner Kinder in der digitalen Welt
10 Punkte
Technikspielzeug für das Kind im Manne
3 Punkte
größere Verbreitung
5 Punkte
für mich günstigste Kommunikationsmöglichkeit
3 Punkte
günstige Übertragungsmöglichkeit für multimediale Inhalte
3 Punkte
Gruppen-Chat
3 Punkte
Werbefreiheit
0 Punkte
einfache Anmeldung und Nutzung
0 Punkte
Summe Pro
27 Punkte

Nun ist es an der Zeit eine Entscheidung zu treffen und ein Resümee zu ziehen. Vorab möchte ich noch einmal betonen, dass es sich bei der Punktevergabe um meine rein subjektive Gewichtung der Argumente handelt. Diese Gewichtung wird bei Dir wahrscheinlich anders aussehen, aber auch für mich kann diese Gewichtung in ein paar Monaten oder Jahren eine ganz andere sein. Was ich versucht habe objektiv zu behandeln sind die Argumente selbst. Ich hoffe, ich habe keine vergessen, wenn doch bist Du herzlich eingeladen, mir zu schreiben.

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Jetzt aber zum Ergebnis. Vielleicht hast Du mitgezählt und mitgerechnet. Die Pro Argumente überwiegen bei meiner Gewichtung ganz leicht, wie Du in folgender Tabelle noch einmal prüfen kannst.

Pro WhatsApp
Kontra WhatsApp
Argument
Gewichtung
Argument
Gewichtung
Begleitung meiner Kinder in der digitalen Welt
10 Punkte
ungefragte Übermittlung von Kontaktdaten
10 Punkte
Technikspielzeug für das Kind im Manne
3 Punkte
unklare Übertragungs-verschlüsselung
6 Punkte
größeren Verbreitung
5 Punkte
mögliche Gefahren durch Hacker, Viren, Trojaner
5 Punkte
für mich günstigste Kommunikations-möglichkeit
3 Punkte
mögliche Mehrkosten
2 Punkte
günstige Übertragungsmöglichkeit für multimediale Inhalte
3 Punkte
monatliche Nutzungsgebühr
0 Punkte
Gruppen-Chat
3 Punkte
ausschließlich englische AGB
2 Punkte
Werbefreiheit
0 Punkte
eingeschränkte Funktion bei eingeschränkter Internetverbindung
1 Punkt  
einfache Anmeldung und Nutzung
0 Punkte
Summe Pro
27 Punkte
Summe Kontra
26 Punkte

Damit steht für mich fest, dass ich mich in Kürze bei WhatsApp anmelden werde. Wie sieht es bei Dir aus? Bist Du schon bei WhatsApp? Wenn nicht, hat Dir mein Artikel bei der Entscheidungsfindung geholfen? Habe ich wichtige Argumente übersehen oder Gewichtungen Deiner Meinung nach völlig falsch bewertet? Ich freue mich über einen regen Austausch.

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