WhatsApp – Entscheidungshilfe zur Installation – Teil 1

whatsapp-logo-with-backgroundWhatsApp gehört mit über 20 Millionen Nutzern in Deutschland heute quasi zu den Lieblings-Apps auf jedem Handy. Bislang habe ich mich einer Nutzung erfolgreich entzogen. Meine Verabredungen, Besprechungen etc. kann ich immer noch sehr gut persönlich, telefonisch oder per SMS organisieren. In diesem Artikel möchte ich anhand von gewichteten Pro- und Kontra-Argumenten darlegen, warum ich mich nun doch zur Installation von WhatsApp auf meinem Handy entschließen könnte.

Was ist WhatsApp?

WhatsApp ist ein Messenger der Firma WhatsApp Inc., hauptsächlich für Smartphones, der als kostenlose Alternative für die SMS im Jahr 2009 seinen Siegeszug angetreten hat. Heute schicken über 300 Millionen Menschen täglich 11 Milliarden Nachrichten, an die gleichzeitig Bilder, Video- und Audiodateien angehängt werden können. Der durchschnittliche WhatsApp Nutzer sendet also täglich ca. 30 Nachrichten, während jeder Deutsche pro Tag nur 2 SMS verschickt.

Wer heute nicht „dabei“ ist, hat diese Verweigerungshaltung entweder ganz bewusst getroffen, oder kann getrost als out bezeichnet werden.

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Ich behaupte für mich, zur ersten Gruppe zu gehören, weil ich mich in Kenntnis der Folgen dazu entschieden hatte, im Freundes- und Familienkreis weniger mitzubekommen und nicht mehr Teil des Kommunikationsflusses zu sein.

Weil meine Kinder aber (viel zu schnell) größer und damit fast zwangsläufig zu WhatsApp-Nutzern werden, möchte ich sie auf ihrem Weg in der Digitalen Welt begleiten. Das wird mir aber nur dann optimal gelingen, wenn ich mitreden kann und ihre Wege selbst auch gehe. Deshalb spiele ich mit dem Gedanken, meine Entscheidung gegen WhatsApp zu überdenken.

Zunächst einmal brauche ich Informationen zu WhatsApp und suche im Buchhandel vergeblich nach einem Buch zu WhatsApp. Es scheint da wirklich noch nichts zu geben. Was mir aber sehr gut gefallen hat, war Kinder sicher im Netz: Das Elternbuch*. WhatsApp ist ja nur eine Kommunikationsform, die unsere Kinder nutzen und die Gefahren von Cybermobbing, Abbofallen und Pornografie bedroht unsere Kinder nicht nur bei WhatsApp sondern überall im Internet.

Weil WhatsApp ja ausschließlich auf einem Smartphone läuft und wir Android-Nutzer sind, brauche ich jetzt noch Hilfestellungen zu Android, der Installation von Apps und dem Umgang mit dem mobilen Internet. Fündig geworden bin ich hier: Das Android Smartphone-Buch*.

Warum ich trotz (oder gerade wegen der Lektüre der o.g. Bücher) nach wie vor gegen WhatsApp bin, mich aber vielleicht trotzdem für eine Installation von WhatsApp entscheiden sollte, werde ich im Folgenden ausführen. Ich habe dazu mehrere Argumente Pro und Kontra gesammelt. Jedes dieser Argumente hat für mich eine unterschiedliche Gewichtung von „0“ bis „10“. „0“ steht dabei für „unwichtig“ und „10“ für „sehr wichtig“.

Wenn ich also am Ende alle Pro Gewichtungen zusammenzähle und diese mit den Kontra Gewichtungen vergleiche, sollte ich eine Entscheidungshilfe erhalten. Wenn Du das gleiche tun möchtest, wirst Du vielleicht andere Gewichtungen festlegen und so zu anderen Entscheidungen kommen. Ob unsere Entscheidungen sich im Nachhinein als richtig oder Falsch erweisen, vermag ich heute noch nicht zu sagen. Mir ist wichtig, dass ich später sagen kann, ich habe diese Entscheidung ganz bewusst, aus diesen oder jenen Gründen getroffen.

Schauen wir uns in diesem ersten Teil zunächst die Kontra Argumente an. In Teil 2 geht es dann um die Pro Argumente.

Warum ich gegen WhatsApp bin

Daten von Kontakten werden ungefragt übertragen

Datenschützer kritisieren, dass WhatsApp alle Kontakte und Adressbücher seiner Nutzer automatisch abgleicht. Dies sei unabhängig davon, ob es sich bei dem übertragenen Kontakt um Nutzer von WhatsApp handelt, oder Personen, die WhatsApp noch nie genutzt haben. Hierzu ein interessanter Artikel des Nachrichtendienstes Reuters.

Was bedeutet das für mich?

  1. Susi Sorglos ist begeisterte Nutzerin von WhatsApp. Weil ich mit ihr befreundet bin, hat sie mich in ihrem Telefonbuch gespeichert. Wenn man den Datenschützern Glauben schenken darf, und ich habe keine Veranlassung, das nicht zu tun, dann müsste WhatsApp auch jetzt schon meinen Namen und meine Telefonnummer kennen. Ein Unding, wie ich finde. Ich habe keinerlei Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen, dem zu wiedersprechen oder die Löschung meiner Telefonnummer zu erwirken.
  2. Im umgekehrten Fall, wenn ich mich also bei WhatsApp anmelde, missbrauche ich das Vertrauen aller Menschen, die mir ihre Kontaktdaten mitgeteilt haben. Würdest Du mir Deine Telefonnummer geben, wenn Du Dich selbst gegen WhatsApp entschieden hast, aber weißt, dass ich WhatsApp-Nutzer bin?

Nach Aussagen der Datenschützer hat sich die WhatsApp Inc. aber bereiterklärt, bei seinem Dienst nachzubessern. Nutzer sollen in Zukunft nach der Erlaubnis gefragt werden, ob WhatsApp auf das Adressbuch zugreifen dürfe. Kontakte könnten auch nachträglich noch hinzugefügt werden.

Da die Nachfrage meines Wissens noch nicht implementiert ist, komme ich trotz dieser Zusage zu folgender Kontra Gewichtung:

10 Punkte Kontra WhatsApp wegen
ungefragter Übermittlung von Kontaktdaten.

Unverschlüsselte Übertragung

Bis 2012 wurden die Kontaktdaten noch unverschlüsselt an die Server in den USA übertragen. Mittlerweile gibt es wohl eine Verschlüsselung, mir ist jedoch nicht bekannt, dass die WhatsApp Inc. sich dazu geäußert hätte, ob und wie sicher diese Verschlüsselung ist. Im Prinzip mache ich mir also nicht nur Sorgen darum, was WhatsApp mit meinen Daten anstellt, sondern muss mir auch noch Sorgen darüber machen, wer diese Daten auf dem Weg zum Zielserver so alles abgreift. Dafür gibt es von mir

6 Punkte Kontra WhatsApp wegen
unklarer Übertragungsverschlüsselung

Gefahr durch Hacker, Viren oder Trojaner

Jede zusätzlich verwendete Software steigert die Gefahr eines Hackerangriff auf die eigene Hardware. Ich gehöre zwar zu den glücklichen (bzw. erfolgreich vorsichtigen) Menschen, die noch nie mit einem Virenbefall oder Hackerangriff zu tun hatten und dass, obwohl ich mich beruflich fast ganztägig online befinde. Gerade deshalb bin ich extrem misstrauisch und vorsichtig, wenn ich mir neue Software installiere, egal ob auf dem Computer oder auf meinem Smartphone. Und gerade bei so beliebten Programmen wie WhatsApp ist die Begierde so manches Hackers oder Skriptkiddies ähnlich groß, wie die einer Fliege, die einen Hundehaufen riecht.

In der Vergangenheit gab es häufiger Meldungen über gehackte WhatsApp Konten, abgehörte Nachrichten oder Spam Attacken. Aufgrund meiner 30 Jahre Erfahrung mit der EDV (ja, rechne ruhig nach, ich habe mit einem Commodore 64 angefangen) bin ich nicht ängstlich aber vorsichtig. Diese Vorsicht führt für mich zu einer Bewertung von

5 Punkte Kontra WhatsApp wegen
möglicher Gefahren durch Hacker, Viren oder Trojaner

Zusatzkosten bei Verbrauch von Traffic der Internet Flat

Ich habe seit einem Jahr in meinem Mobilfunkvertrag eine sog. „Internet Flat“ mit 300 MB Übertragungsvolumen bei voller Geschwindigkeit. In der Regel nutze ich etwas mehr als die Hälfte, so dass theoretisch noch über 100 MB für WhatsApp zur Verfügung stünden. Ich mache mir daher kaum Gedanken über Mehrkosten und vergebe

2 Punkte Kontra WhatsApp wegen
möglicher Mehrkosten

Gebühr für die Nutzung von WhatsApp

Während in vielen Mobilfunkverträgen der Versand einer SMS noch separat berechnet wird, kostet die WhatsApp Nachricht nichts, solange man sich nicht im Roaming (Ausland) befindet, oder sein Datenvolumen überschritten hat.

Die Software kann für alle Telefontypen kostenlos herunter geladen werden und auch das erste Nutzungsjahr ist kostenlos. Ab dem zweiten Nutzungsjahr wird eine Abo Gebühr von derzeit 0,99 US Dollar pro Jahr fällig.

Obwohl ich eine Gebühr erst einmal mehr zu Kontra als zu Pro zählen würde, halte ich die 0,99 US Dollar für mehr als angemessen, vergleicht man WhatsApp mit anderen Apps. Deshalb gibt es an dieser Stelle

0 Punkte Kontra WhatsApp wegen
einer monatlichen Nutzungsgebühr

Nutzungsbedingungen/AGB auf Englisch

Hand aufs Herz, hast Du schon einmal die AGB von Microsoft Windows, Mozilla Firefox oder Android gelesen? Ich nicht. Dennoch spreche ich diesen Punkt hier an, weil ich es befremdlich finde, dass die WhatsApp Inc. die Nutzer auf der Homepage auf Deutsch anspricht, die AGB jedoch nur in Englisch existieren. Zwar hat die WhatsApp Inc. keinen Sitz in Deutschland, mich würde jedoch interessieren, ob Englische AGB überhaupt wirksam vereinbart werden können. Da ich des englischen mächtig bin, habe ich für diesen Artikel die AGB gelesen und (hoffentlich) auch verstanden. Trotzdem fühle ich mich als Kunde eingeschränkt, was zur folgenden Punktevergabe führt:

2 Punkte Kontra WhatsApp wegen
ausschließlich englischer AGB

WhatsApp nicht bei eingeschränkter Internetverbindung

SMS können gesendet und empfangen werden, solange eine Verbindung zum Telefonnetz besteht. Das ist für mich fast immer und fast überall der Fall, auch im Ausland.

WhatsApp jedoch funktioniert nur, solange eine Internetverbindung im WLAN oder im mobilen Datennetz besteht, dort aber nur, wenn die Hintergrundsynchronisierung nicht eingeschränkt wurde. Hintergrundsynchronisierung bedeutet, dass Programme Daten im Hintergrund online abgleichen können. So wird WhatsApp zum Beispiel in regelmäßigen Abständen auf neu eingetroffene Nachrichten prüfen und den Benutzer informieren. Diese regelmäßige Nutzung der Datenleitung verursacht Traffic, der auf Dauer das zur Verfügung stehende, kostenlose Datenvolumen (Flat) übersteigen kann und somit Kosten verursacht.

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Um sich vor Zusatzkosten zu schützen hat der Nutzer die Möglichkeit, für jedes Programm eine Hintergrundsynchronisierung zuzulassen oder zu unterbinden. Wenn aber keine Verbindung zum Internet besteht, ist sowohl das Senden als auch das Empfangen von Nachrichten nicht möglich.

Für mich sehe ich da lediglich die Einschränkung an Orten mit schlechtem, mobilen Datennetz. Bis jetzt habe ich mich an solchen Orten noch nicht länger aufhalten müssen, deshalb

1 Punkt Kontra WhatsApp wegen
eingeschränkter Funktion bei eingeschränkter Internetverbindung

Das waren Sie also, meine Kontras gegen WhatsApp. Der besseren Übersicht wegen hier noch einmal alle Argumente mit ihrer Gewichtung in einer Tabelle:

Kontra WhatsApp
Argument
Gewichtung
ungefragte Übermittlung von Kontaktdaten
10 Punkte
unklare Übertragungsverschlüsselung
6 Punkte
mögliche Gefahren durch Hacker, Viren, Trojaner
5 Punkte
mögliche Mehrkosten
2 Punkte
monatliche Nutzungsgebühr
0 Punkte
ausschließlich englische AGB
2 Punkte
eingeschränkte Funktion bei eingeschränkter Internetverbindung
1 Punkt  
Summe Kontra
26 Punkte

Im 2. Teil dieser Entscheidungshilfe zur Installation von WhatsApp werde ich die Argumente Pro WhatsApp aufstellen und schauen, ob die Gewichtung den Wert von 26 bei den Kontra-Argumenten übersteigt.

Was meint ihr, habe ich Gewichtungen falsch gesetzt? Habe ich Kontra-Argumente vergessen? Wenn Ihr Vorschläge habt, arbeite ich sie gerne nachträglich in meinen Artikel ein.

5 Kommentare zu “WhatsApp – Entscheidungshilfe zur Installation – Teil 1

  1. Sehr geehrter Herr Freiburg, ich werde von Freunden (u.a. im Ausland ) bedrängt, endlich What’sApp zu installieren und fand ihre Webseite sehr informativ. Gewundert hat mich, dass Sie, obwohl bei Ihnen nur ein Pluspunkt dafürspricht, What’sApp sicherlich mittlerweile installiert haben und nutzen. Ihr Text ist ja von Oktober 2013 und Sie haben sicherlich weitere Erfahrungen sammeln können.

    Frage: hat sich mit der ungefragten Übermittlung von Kontaktdaten mittlerweile etwas getan ? und/oder mit der Übertragungsverschlüsselung? – das waren die Punkte, die ich für am Bedenklichsten halte. Ich habe keine Kinder mit denen ich Schritt halten müsste und ich finde es völlig uninteressant meist schlechte Fotos von wem auch immer zu erhalten und einsilbig zu kommunizieren…

    Ich nutze bislang nur Netbook, Laptop, und ganz normales Handy ohne Internet, bin also ziemlich hinter dem Mond – wo ich bislang aber auch (noch!)ganz gut zurechtkomme…

    Würde mich freuen, von Ihnen zu hören.

    Mit freundlichen Grüßen, C. Frey-Krummacher

  2. Hallo
    vielen Dank für diese beiden Artikel zur Entscheidungsfindung zum Thema Whatsapp.
    Ich habe Ihre Erfahrungen sehr hilfreich gefunden und das Thema ist auch sehr gut ausführlich behaltet von Ihnen.
    Mit freundlichen Grüßen

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